Story no. 1

Ich hatte nie vor ihn zu betrügen, wirklich nicht.

Er war die Liebe meines Lebens - dachte ich, doch manchmal muss man sich eingestehen, dass man sich nur etwas vormacht.

Als ich ihn das erste Mal sah war es um mich geschehen, doch später realisierte ich, dass ich nur mit ihm zusammen gekommen bin, damit ich über die wirkliche Liebe meines Lebens hinwegkam.

Ich meine, Jahre lang in ein und denselben Mann verliebt zu sein und nur verarscht zu werden,ist nicht wirklich das was ich mir vorgestellt hatte.

Aber ich fange einfach mal ganz von vorne an.

 

Ich bin Malin, mittlerweile 23 Jahre alt, groß, nicht die schlankste Person auf Erden, habe braune Augen und braune Haare. Ich bin schüchtern.

Eine große Klappe habe ich , aber wenn es dann hart auf hart kommt, bin ich die Erste, die den, nicht vorhandenen, Schwanz einzieht.

 

Alles fing an, als ich 18 war. Ich arbeitete in einem Restaurant als Aushilfskellnerin, um mir etwas Geld neben der Schule zu verdienen. Ich machte mein Abitur.

Ich versuchte immer freundlich zu sein, was mir manchmal wirklich schwer fiel. Aber man musste sich ja durchbeißen, um den Job nicht zu verlieren und ich brauchte das Geld um mir auch mal etwas leisten zu können. Ich war nicht eine dieser Shopping-Süchtigen oder Kosmetik-Fanatikern. Ich würde mich als normales Mädchen von nebenan beschreiben, ich denke der Spruch "Stille Wasser sind tief" würde am ehesten zu mir passen.

Ich kam bei der Arbeit mit allen Kollegen gut zurecht, was für mich unnormal war, denn normalerweise mochten mich nicht allzu viele Leute, aber dort war es anders. Diese Arbeitsstelle mit den Mitarbeitern entwickelte sich schnell zu meinem zweiten Zuhause und vor allem zu meiner zweiten Familie.

Der Koch Manfred ging in Rente und alle warteten gespannt auf den Neuen. Ich interessierte mich eigentlich herzlich wenig für die Küche, hauptsache sie kamen alle schnell mit dem Essen an. Mich interessierte eigentlich eher die Welt hinter dem Tresen. Meine Kellner-Kollegen waren die besten Kollegen, die man sich wünschen konnte.

Um 16:30 begann der Dienst. Wegen dem schlimmen Wetter kam ich natürlich mal wieder zu spät, nass wie ein begossener Pudel stürmte ich die Tür rein und klappte schnell meinen Regenschirm zu. Ich sah wie mich alle anstarrten, besonders aber starrte mich ein neues Gesicht an, um dieses sich alle versammelt hatten.

Es kam mir vor wie Minuten oder gar Stunden, in denen sich unsere Blicke trafen. Aber ich denke es waren nur wenige Sekunden. Diesen Moment werde ich niemals vergessen. Er war vollkommen. Perfekt. Dieser Mund, diese Augen, der Körperbau, die Haare, das Lächeln, einfach alles an ihm genzte an totaler Vollkommenheit.

"Malin, komm' näher, er beißt nicht!", rief meine Chefin mir zu und winkte mich hin. Langsam ging ich zu den Kollegen rüber und schaute dabei die ganze Zeit nur diesen Mann an. Er schaute mich auch an und reichte mir seine Hand:"Manchmal beiße ich aber auch, also vorsichtig sein. Aber Hallo erstmal, ich bin Lukas!" Er lächelte mich an. Seine Augen strahlten. Ich nahm seine Hand, diese fühlte sich so furchtbar weich und warm an und sagte leise:"Ma...Malin heiße ich!" Er schaute mir tief in die Augen:"Schöner Name!", sagte er leise, zwinkerte mich an und drehte sich wieder zu den Anderen.

Es war sofort um mich geschehen, ich fühlte mich so leicht, so unbeschwert, ich wäre am liebsten auf und ab gehüpft und hätte laut seinen Namen geschrien, aber ich beschloss das lieber nicht zu tun und machte mich an die Arbeit.

Leider sah ich Lukas am weiteren Abend nicht mehr so häufig, da ziemlich viel los war.

Zu Hause angekommen, bei meiner Mutter, machte ich peinlicherweise ganz laut "Crazy" von Britney Spears an und tanzte dann wie wild durch das Zimmer und grinste mir dabei einen ab. Lukas...Lukas...Lukas...Lukas...was für ein himmlischer Name. Als meine Kondition nicht mehr ausreichte um weiter zu tanzen (Raucherlunge lässt grüßen), beschloss ich meine beste Freundin Nadja anzurufen. Ich erzählte ihr alles von meinem heutigen Erlebnis, mit allen Einzelheiten.

Nadja atmete tief durch:"Willst du mir vielleicht auch nochmal genau die Adern in seinen Augen beschreiben?" "Nee, so nah war ich ihm dann doch noch nicht und außerdem wäre das ja viel zu auffällig ihm so tief in die Augen zu schauen!" Sie lachte laut:"Malin, Schatz, das war ein Witz! Na, dieser Typ muss ja ein richtiger Hengst sein!" Ich grinste:"Ein Traum, Naddl, einfach ein Traum!"

Der nächste Schultag konnte garnicht schnell genug vergehen, ich machte zu Hause meine Hausaufgaben in einem Tempo, dass ich noch nie drauf hatte.

Natürlich war ich schon eine Stunde früher im Restaurant und die Erste. Ich schloss auf und stand dann da, ganz alleine in dem großen Laden und entschied mich, anstatt doof rumzustehen, schonmal die Stühle von den Tischen zu nehmen. 15 Minuten später ging die Tür auf. "Oh, ich bin ja doch nicht der Erste!" Ich drehte mich um und da stand er: LUKAS. In seiner vollen Pracht. Er hatte eine blaue Jeans an und ein grünes, enges T-Shirt. Mein Herz fing an wie verrückt zu schlagen. Ich bekam kein Wort raus, das einzige, was aus mir kam war ein leichtes Lächeln und ich könnte schwören, dass ich rot wurde. Habe mich ja selber nicht gesehen, aber es fühlte sich so an.

Lukas ging in Richtung Umkleideraum, lächelte mich beim Vorbeigehen an. In meinem Kopf entwickelten sich wieder die verrücktesten Fantasien. Wie ich ihm nachging und ihn mit einem Kuss überfiel und er natürlich mitmachte. Wir uns beide wild auszogen und hemmungslosen Sex hatten. Oh ja, das wäre was. Aber ich bin Malin und Malin ist viel zu schüchtern um überhaupt irgendwas zu machen.

Ich fing also an die Tische zu wischen, anstatt geilen Sex mit Lukas zu haben. Er zog sich schnell um, denn gefühlte 5 Minuten später kam er schon wieder aus dem Raum raus und rieb sich die Hände. Er roch nach gutem Parfüm und Handcreme. Ich konnte nicht anders, als ihn immer wieder anzugucken.

Er ging hinter den Tresen und machte sich eine Apfelschorle, setzte sich dann genau an den Tisch, den ich als nächtes wischen wollte.

Langsam bewegte ich mich mit Lappen und Eimer bewaffnet zu dem Tisch, an dem Lukas saß. Er lächelte mich wieder an und sagte dann:"Wenn ich dich bei der Arbeit störe, dann sag' Bescheid. Ich gehe dann woanders hin." Ich schüttelte nur den Kopf und fing an zu wischen.

"Ähm, Malin, richtig?" Ich nickte. "Kannst du eigentlich auch sprechen?", fragte er mich forsch.

Ich schaute in seine leuchtend blauen Augen. Es fiel mir so schwer ihm zu antworten, wenn er mich anschaute. Also guckte ich wieder auf den Tisch:"Ja, ich kann sprechen." "Sehr schön, dann hör doch mal auf zu Wischen und setz dich zu mir, immerhin beginnt deine Arbeitszeit erst in 30Minuten." Er klopfte auf den Stuhl neben sich.

Oh mein Gott, er bat mir einen Sitzplatz neben sich an und wollte sich mit mir unterhalten. Das kann doch wohl nicht wahr sein. Mir gingen 1000 Gedanken durch den Kopf: Ich muss pischen, ich glaube ich bekomme Durchfall - nein, doch nicht, das sind bloß die Schmetterlinge!

Ich stellte den Eimer und den Lappen beiseite und nahm neben Lukas Platz.

Er drehte sich zu mir und nahm hastig einen großen Schluck von seiner Apfelschorle:"Malin, wie alt bist du?"

Ich schaute auf den Fußboden und dachte, dass dieser auch mal wieder gewischt werden musste. "Hallo?", sagte er erneut und stieß mich leicht an.

"Hm?", fragte ich gedankenversunken. "Wie alt du bist, habe ich gefragt!" "Ich? Oh, ähm, 18." Er guckte etwas verwundert:"18?So jung noch? Also ich habe dich älter geschätzt!" Ich lächelte leicht. "Danke, wenn das jetzt ein Kompliment war. Wie alt bist du denn?" "Zu alt!" "Das ist keine Antwort!", sagte ich schüchtern.

"Was schätzt du denn?", fragte er grinsend. Ich schaute ihn genau an und wollte ihn am liebsten Küssen.

"Ich würde sagen.... 25?" Er lachte. "Also nicht?", fragte ich. Er schüttelte den Kopf. "Dann... ähm ... 30?" "Ja, knapp",sagte er, "31 bin ich!"

Und ich sage, dass mich das überhaupt nicht stört, dachte ich. Dieser Mann ist wunderbar, egal wie alt er ist. Seine Stimme klang so wunderschön.

Wir schauten uns an. Dann merkte ich, was für eine peinliche Situation das war und schaute schnell auf meine Uhr. "Oh", sagte ich,"schon spät, ich gehe vorher noch eine Rauchen!" Er trank schnell seine Schorle aus und knallte das Glas auf den Tisch. "Ich würde sagen, da komme ich glatt mit!", meinte er grinsend und legte vorsichtig seinen Arm um meine Hüfte. Zusammen gingen wir vor die Tür. Ruhig zündete ich mir meine Zigarette an. "Willst du dir keine anmachen?",fragte ich und schaute dabei wieder auf den Fußboden. "Ich rauche nicht!", sagte er und zwinkerte mich an.

Oha, was sollte ich denn davon bitte halten? Im Laufe der nächsten Minuten kamen unsere Kollegen nach und nach an und es war so, als hätten wir uns garnicht unterhalten. Lukas unterhielt sich mit seinem Beikoch Mike und ich mit meinen Kellnerinnen Chayenne und Kira. Unsere Chefin hatte heute frei, was für uns immer bedeutet, das zu machen worauf wir Lust haben. Keiner da, der unsere Arbeit beobachtet, uns komische Ratschläge gibt oder uns hetzt.

Frau Kolause-freier-Tag, wie schön.

Und das Beste war, dass heute nicht allzu viel los war. Was bedeutete, dass Lukas auch nicht viel zu tun hatte.

Trotzdem redete er an dem Abend nicht mehr so viel mit mir. Mir kam die ganze Situation äußerst komisch vor. Hatten wir uns doch vorhin so toll unterhalten. Ich machte mir natürlich wieder die verrücktesten Gedanken. Wahrscheinlich findet er mich hässlich. Wahrscheinlich war ich ihm zu schüchtern oder höchstwahrscheinlich findet er mich einfach nur nervig und doof.

Kurz vor Feierabend, wir räumten schon auf, kam Lukas aus der Küche und schmiss seine Kochmütze auf den Tresen:"Boah, ich brauch' was zu Trinken. Wie sieht's mit euch aus.... Malin?" Ich hatte grad' den Fußboden sauber gemacht und schreckte schnell hoch. Hatte er eben meinen Namen gesagt? "Ich ... äh ... Ich habe morgen Schule!" Er guckte mich mit großen Augen an:"Achja, du bist ja erst 18. Die haben ja noch Schule!" Im Inneren wurde ich wütend. Das machte er nur um mich zu provozieren, damit ich doch Ja sagen würde. Und er schaffte es nach geraumer Zeit auch. "Jaja, ist ja gut, ich werde mitkommen, aber nicht so lange!", sagte ich gespielt genervt. Denn eigentlich freute ich mich wie ein junger Hund beim ersten Mal Gassi gehen.

Wir fuhren mit Mike und Chayenne in einen kleinen Club. Er war relativ voll und mir war sofort klar, dass das alles arbeitslose Idioten waren.

Die Tanzfläche war ziemlich klein. "Was willst du trinken"?, fragte Lukas mich und bewegte sich leicht zur Musik. "Eine Cola, bitte!" "Cola und...?", fragte er mich. "Wie und?" "Naja, da muss doch noch was Alkoholisches dazu, meinst du nicht?" Ich zuckte mit den Schultern. Lukas kam mit 2 Gläsern wieder. "Was ist das?", fragte ich ihn und roch an meinem Glas. "Cola!", rief er grinsend, um die Musik zu übertönen. "Cola und...?" "Vodka!" Mir war klar, dass ich hartes Zeug überhaupt nicht abkonnte, aber nun gut, ich musste da nun durch, ich wollte vor Lukas ja nicht wie die letzte Weichflöte dastehen.

5 Mischungen später wollte ich unbedingt tanzen, meine Schüchternheit war verflogen und ich war bereit die Hüften zu schwingen.

Da keiner mit mir Tanzen wollte, ging ich alleine. Die anderen Menschen verschwanden völlig, bis auf einen. Lukas. Er lehnte an einem Pfahl mit seinem Getränk in der Hand und beobachtete mich. Immer wieder trafen sich unsere Blicke. Während ich tanzte zu den dümmsten Liedern, dachte ich mir aus, wie ich einfach zu ihm gehen würde und ihn küssen würde. Komm schon Malin, dachte ich, du hast was intus, was hast du zu verlieren? Tu' es einfach! Doch bevor ich meinen Entschluss in die Tat umsetzten konnte, tippte mir schon jemand auf die Schulter. Ich drehte mich um. Lukas stand vor mir und beugte sich zu meinem Ohr runter:"Ich hab es mir überlegt, ich möchte doch gerne mit dir tanzen!" Wie der Zufall es so wollte, spielte der HartzIV-DJ nun auch noch ein schön langsames Lied und durch sein Mikrofon sagte er:"Das ist für alle Verliebten oder die, die es sein wollen!" Das Lied war schon älter, bestimmt aus seiner Jugendzeit, ich kannte es aber auch. Es war "Push" von Matchbox 20.

Ich legte meine Arme um seinen Hals und er seine Hände an meine Hüften. Während wir so tanzten, wanderte seine eine Hand immer weiter runter zu meinem Po. Die andere Hand strich langsam über meinen Rücken. Ich glaubte ich würde träumen, doch das alles war wahr. Ich tanzte mit dem Mann meiner Träume zu einem wunderbaren Lied, eng aneinander gepresst.

Ich wünschte mir, dass dieser Augenblick nie endete, doch irgendwann endete nicht nur der Augenblick, sondern auch das Lied.

Wie erstarrt blieb ich stehen. Ich ging einen Schritt zurück. Er schaute mich an. Dann zog er mich wieder an sich heran, ich weiß, dass er im Begriff war mich zu küssen. Dieser Blick sagte alles. Doch der Alkohol in mir verflog und ich fand mich in meiner absoluten Schüchternheit wieder. "Ich muss los!", sagte ich und rannte weg.

"Malin, warte...!", rief er mir noch hinterher. Doch ich schnappte mir meine Jacke und stieg in eins der Taxen, die schon vor dem Club warteten.

Im Auto, auf dem Weg nach Hause, dachte ich über den Abend nach. Und ärgerte mich grün und blau, warum ich abgehauen bin. Wie doof kann ein Mensch sein? Zu Hause angekommen klingelte ich Nadja wach und erzählte ihr die Geschichte des Abends. Müde sagte sie:"Da steht also der Mann deiner Träume und du haust ab?" "Ja!",ich schämte mich etwas. "Malin, das ist irre!" "Ich weiß." "Malin, das ist wirklich irre. Jetzt darfst du dich aber auch nicht wundern, wenn er einen Schritt zurück macht! Du bist jetzt dran, Fräulein!" "Was soll ich tun?" "Naja",sagte sie,"du weißt ja nun inzwischen, dass er immer etwas früher zur Arbeit kommt, dann wirst du auch da sein. Ihr werdet euch sicherlich wieder unterhalten und dann ... ja.... küsst du ihn!" Während sie redete, dachte ich die ganze Zeit darüber nach, wieso ich weggelaufen bin. "Du hast ja Recht!", sagte ich bedrückt.

Bevor nächsten Tag die Schicht begann, hübschte ich mich auf. Make-Up (obwohl ich sowas sonst nie benutzte), ich machte mir die Haare und zog mich besonders schön an.

Ich kam wieder eine Stunde früher und auch Lukas ließ nicht lange auf sich warten. "Hallo!", begrüßte ich ihn lächelnd. Er setzte sich wieder an denselben Tisch wie den Tag zuvor und klopfte wieder auf den Stuhl neben sich, als Aufforderung mich zu setzen.

"Wie gehts dir?", fragte er. "Ja... ähm .. gut!" Ich merkte schon wieder wie meine Schüchternheit durchkam. Doch diesmal wollte ich dagegen an kämpfen. Ich setzte mich gerade hin und schaute ihn an. Tief in seine blauen Augen. "Pass auf, ich gehe mich jetzt umziehen. Ich werde die Tür offen lassen.....!" Wieder zwinkerte er mich an und stand auf. Ich schaute von unten hoch zu ihm und er sah noch prächtiger aus als sonst. Er ging in den Umkleideraum. Ich entschied mich diesmal meine kranken Fantasien wahr werden zu lassen und ging ihm langsam hinterher. Tatsächlich hatte er die Tür offen gelassen. Sie war angelehnt, langsam öffnete ich die Tür etwas weiter. Er stand dort mit freiem Oberkörper , seine enge Jeans betonte seinen Hintern. Er drehte sich um und lächelte. Seine erotische Ausstrahlung war kaum auszuhalten. Ich wusste nicht recht was ich tun sollte, also blieb ich erstmal nur an einem Fleck stehen und beobachtete Lukas. Er stand allerdings auch starr auf einer Stelle. Die Hände in den Hosentaschen und man sah ihm an, was er wollte. Seine Augen funkelten. Ich atmete ziemlich schnell, das war pure Aufregung und Geilheit. Mein Herz schlug mir bis zum Hals. Ich überlegte den nächsten Schritt und dachte dann nur: Scheiß drauf, Malin, renn ihm in die Arme, tu' es, er will es! Ich ging einen Schritt auf ihn zu. Er tat dasselbe. Ich denke in dem Moment dachten wir dasselbe, denn wie verrückt fielen wir übereinander her. Er hob mich hoch und drückte mich gegen die Wand während er mich wild küsste. Und ich kann euch sagen, er küsst so gut! Er fuhr mit seiner Hand durch meine Haare, küsste meinen Hals. Ich zog leicht an seinen Haaren, zog ihn zu mir hoch und küsste ihn. Es war der Wahnsinn. Wenn es einen Preis für Sexuelle/Erotische Ausstrahlung gäbe, würde ich meine Stimme zu 100 % für Lukas abgeben.

Er setzte mich wieder auf dem Boden ab und zog mir mein T-Shirt aus, dabei stoppten wir das Küssen aber nicht. Er strich über meinen Rücken, über meinen Po. Dann wurde er langsamer, hörte auf mich zu Küssen und ging einen Schritt zurück. Ich war völlig außer Atem. Stand halbnackt vor ihm und fragte ihn, was los sei. Er schaute mich ernst an:"Du bist wunderschön!" Ich ging auf ihn zu und gab ihm einen langen Kuss. Dann ging er wieder einen Schritt zurück. "Was ist denn?" Er schaute noch ernster als vorher "Ich weiß nicht, ob wir das Richtige tun, du bist noch so jung!" "Was?", ich war fassungslos. Das hätte er sich mal überlegen sollen, bevor er mich wild geküsst hat. Ich griff nach meinem T-Shirt, doch Lukas nahm im selben Moment meine Hand. "Ich will es, ich will dich!" Ich ließ mein Shirt wieder los und guckte ihn fragend an. Er beugte sich zu mir runter und küsste mich. Diesmal nicht wild, sondern romantisch und langsam. Ich bekam extreme Gänsehaut. "Trotzdem müssen wir jetzt arbeiten!", sagte er dann und gab mir mein T-Shirt.

Ich war sowas von verliebt in diesen Mann, das hätte ich ihn die Welt herausschreien können. Tat ich aber mal wieder nicht.

Die nächsten Tage haben wir immer vor dem Dienst wie die Blöden rumgeknutscht. An einem Samstag Abend beschloss ich, dass es Zeit wurde endlich mit diesem Gott von Mann Sex zu haben. Ich googlete mir seine Adresse (denn im Internet findet man alles) und wollte ihn überraschen. Zuvor war ich noch mit Nadja in der Stadt und sie beriet mich was heiße Dessous betraf, doch ihre Auswahl betonte eher meine nervigen Fettpolster, die ich eigentlich überdecken wollte. Also ließ ich mich doch lieber von der Verkäuferin beraten. Sie gab mir ein Schwarz-Rotes Teil, welches an mir sehr, sehr gut aussah. Das musste sogar ich zugeben, wobei ich eigentlich immer ziemlich kritisch bin, was meinen Körper angeht. Auch Nadja befand diese Wäsche als angebracht und so stiefelte ich mit ihr nach Hause, wo sie mir die Haare toupierte und mich schminkte. Ich sah aus wie eine echte Sexbombe aus einem Porno. "Wenn er dich so ablehnt, hat der Mann echte Probleme!", sagte Nadja und begutachtete mich von oben bis unten.

Ich klaute meiner Mutter noch schwarze Stöckelschuhe aus dem Schrank und machte mich mit dem Taxi auf den Weg zu Lukas. Nur bekleidet mit Dessous und einem Mantel.

Ich ging die Treppen zu seiner Wohnung hoch und blieb einen kurzen Moment vor der Tür stehen, an der stand: Umbrecht. Lukas Umbrecht.

Ich atmete tief durch und klingelte.

Doch es öffnete nicht der erhoffte Sexgott die Tür, sondern eine junge Frau, hochschwanger. Blond, blaue Augen, groß & schlank. Sie hatte eine graue Jogginghose an und ein enges, schwarzes T-Shirt. "Kann ich helfen?", fragte sie freundlich. Ich war geschockt. Ich wusste nicht, was ich sagen sollte. Also lief ich einfach weg. Ich lief schnell die Treppen runter. An die frische Luft und setzte mich auf den Bordstein. Ich merkte wie langsam Tränen meine Wangen runterkullerten.

Was sollte das? Warum machte er das? Er hat eine schwangere Freundin zu Hause und sagt mir ständig, ich sei die Einzige für ihn. Wie wunderschön ich doch sei und wie einzigartig und dass er jetzt erst merkte, was ihm all die Jahre gefehlt hatte.

Mir gingen seine Worte wie ein Film durch den Kopf. Ständig redete er davon, dass ich noch so jung sei und er doch viel zu alt. Andauernd versprach ich ihm, dass das für mich garkein Problem darstellte. Plötzlich hörte ich Lukas. Er stand unmittelbar hinter mir, mit 2 Einkaufstüten. "Malin? Was machst du denn hier?" Ich stand auf, stellte mich vor ihn und brach in Tränen aus. Es platzte aus mir heraus. Er stellte seine Tüten ab und versuchte nach meiner Hand zu greifen, doch ich zog weg und gab ihm eine gehörige Backpfeife. Er rieb seine Wange und schaute mich fragend an. Ich schüttelte nur den Kopf und ging weg. Ich ging den ganzen verdammten Heimweg zu Fuß. Es waren geschlagene 1 einhalb Stunden. Ich ging aber auch verflucht langsam. Immer wieder klingelte mein Handy. Lukas. Lukas ruft an. Lukas ruft an. Lukas ruft an. Irgendwann machte ich mein Handy einfach nur noch aus. Was wollte dieser Scheißkerl denn noch von mir?

Gut, er wusste nicht was los war. Er wusste nicht, dass ich sein Geheimnis gelüftet hatte.

Aber er hat es auch nicht verdient zu erfahren, warum ich sauer war.

Die ganze Nacht weinte ich und fragte mich wieso er mir das angetan hat.

Bis ich Sonntag Nachmittag endlich auf die Idee kam, mit ihm zu sprechen. Eigentlich musste ich das einfach klären, ansonsten kann ich mich nie entlieben. Und ich muss mich entlieben, er hat eine schwangere Frau zu Hause sitzen, die nicht weiß, dass ihr toller Lukas sie mit einer blutjungen 18-Jährigen bescheißt.

Er wird Vater, er muss sich um seine kleine Familie kümmern. Trotzdem tut Liebeskummer so verdammt weh.

Ich machte mein Handy wieder an und mich begrüßten gleich 23 Anrufe in Abwesenheit, alle von Lukas.

Und eine SMS, in der stand:"Malin, was war das eben? Was habe ich dir getan? Bitte melde dich."

Ich legte mein Handy wieder beiseite und fing an zu weinen. Ich dachte, ich hätte endlich Glück und den absoluten Traummann gefunden. Aber es war ja klar, dass es einen Haken gab. Und dieser Haken hieß Jenny, wie sich später rausstellte.

Ich verkroch mich unter meiner Bettdecke, dann klopfte es an meiner Tür. Es war meine Mutter. "Malin? Da steht ein junger Mann vor der Tür. Lukas."

Ich drehte mich zur Seite. "Soll ich ihn hochschicken?" Ich antwortete nicht. Doch bevor meine Mutter ihn zu mir bringen konnte, ist er schon alleine die Treppe hochgekommen und betrat mein Zimmer.

Meine Mutter schloss die Tür hinter sich. Lukas versuchte etwas zu sagen, doch diesmal fehlten ihm die Worte. Dann atmete er tief durch und fing an zu reden:"Du hast sicherlich Jenny kennengelernt...." Ich sagte nichts. "Malin, ich hätte es dir sagen sollen, ich weiß... es tut mir so leid, bitte... ich wollte nichts kaputt machen!" Ich drehte mich zu ihm, meine Augen waren sicherlich knallrot. "Hast du, Lukas...du hast alles kaputt gemacht!" Er setzte sich an meine Bettkante und legte seine Hand auf meinen Rücken:"Malin ... ich liebe dich!" Es tat so weh das aus seinem Mund zu hören, gleichzeitig fühlte es sich so wundervoll an.

Ich wusste nicht wieso, aber ich tat es. Ich setzte mich hin und küsste ihn. An diesem Tag hatten wir das erste mal Sex, ohne heiße Dessous, ohne toupierte Haare und ohne Stöckelschuhe.

Es war einfach toll ihn so nah zu spüren, ihn zu riechen und zu hören. Nachdem wir es getan hatten, lagen wir noch so im Bett und kuschelten. Er strich über meinen Arm und küsste meine Stirn. Ich guckte ihn an und dann sagte auch ich es endlich:"Ich dich auch!" "Was?", fragte er grinsend. "Naja, ich liebe dich auch!" Er drückte mich fest an sich. In dem Moment gab es nur Lukas und Malin. Nicht Lukas und Jenny und vor allem nicht Lukas, Jenny und Baby.

Bevor er ging, gab er mir noch einen Brief. "Lies ihn erst, wenn ich weg bin, ok?" Ich nahm den Brief und er gab mir einen Kuss. Dann verschwand er.

Ich schaute noch aus meinem Fenster um zuzugucken wie er wegfährt auf seinem Motorrad.

Dann öffnete ich langsam den Umschlag und holte den Brief raus.

Ich faltete ihn auseinander und setzte mich auf meinen Schreibtischstuhl, die Sonne blendete mich leicht.

 

"Liebe Malin.

Nun liest du den Brief und ich hoffe, dass ich dich nicht zu sehr enttäusche.

Wie du sicherlich bemerkt hast, werde ich in geraumer Zeit Vater. Es wird ein Mädchen.

Die Frau an der Tür war meine Ehefrau.

Ich hätte mir ja nie träumen lassen, dass ich bei meiner neuen Arbeitsstelle eine so wundervolle Person wie dich treffen würde.

Ich war vom ersten Moment an verrückt nach dir.

Stets dachte ich, dass ich Jenny aus Liebe geheiratet habe , doch als ich dich traf und unsere Lippen sich das erste mal berührten, da wusste ich erst, was Liebe ist.

Du hast mein Herz geöffnet.

Doch ich muss dir sagen, dass ich mich entscheiden muss. Und es bricht mir das Herz dir sagen zu müssen, dass ich mich für Jenny und meine Tochter entschieden habe. Es tut mir so wahnsinnig Leid.

Ich liebe dich,

Lukas"

 

Ich las den Brief glaube ich 20mal.

Um etwas Positives dort rauszulesen.

Nächsten Tag erfuhr ich, dass Lukas gekündigt hatte.

Eine Welt brach für mich zusammen.

Ich konnte nichts anderes tun, als an Lukas zu denken. Alle meine Gedanken kreisten um ihn, überall sah ich ihn, auch wenn er es garnicht war.

Die Zeit verging, ich bestand mein Abitur.

Ich hatte mich schon etwas entliebt, doch niemand sagte mir, dass es so schwer werden würde.

An meinem 20. Geburtstag hatte ich Besuch von meinen Verwandten und meinen Freunden. Es war ein schöner Tag, sehr unbeschwert. Ich hatte viel Spaß. Während sich die alten Herrschaften über Politik und den Kram unterhielten, spielten meine Freunde, meine kleine Schwester und ich Singstar.

Doch dann beschlossen Svenja und Nadja "Push" von Matchbox 20 zu singen. Mein Lachen erstarrte. Die Bilder von dem Abend kamen mir in den Kopf. Sein Blick, einfach alles. Ich spürte plötzlich wieder seine Berührungen, eine unheimliche Gänsehaut überzog meinen Körper.

"Ey, Malin, was ist los?", fragte Nadja mich und unterbrach das Singen.

Ich quälte mir ein Lächeln auf die Lippen und antwortete nur mit einem kurzen:"Garnichts!"

Am späten Nachmittag gingen meine Verwandten nach Hause und auch meine Freunde verließen mich, wir hatten uns für den Abend in der Disco verabredet. Um wieder einen klaren Verstand zu bekommen, ging ich noch eine Runde spazieren. Bewaffnet mit einem Bier und meinem Mp3-Player voller Schnulzen.

Ich setzte mich auf einem Spielplatz auf eine Bank und versuchte diesen Idioten aus meinem Kopf zu bekommen.

In einer hinteren Ecke des Spielplatzes standen 2 Menschen. Ein Mann und ein kleines Kind.

Ich traute meinen Augen kaum.

Es war Lukas mit seinem kleinen Mädchen.

"Scheiße!", flüsterte ich, griff nach meinem Bier und meiner Handtasche und wollte das Weite suchen, doch es war zu spät, er sah mich.

"Herzlichen Glückwunsch, Malin!", rief er mir zu und lächelte mich mit seinem typischen, verführerischen Grinsen an.

Ich nickte nur und wollte weitergehen.

"Warte doch mal!" Er nahm seine Tochter auf den Arm und ging im schnellen Schritt auf mich zu.

Ich verdrehte die Augen, drehte mich dann aber doch zu ihm um.

Seine Tochter war unwahrscheinlich süß, kam ganz nach dem Papa und auch Lukas sah schöner aus denn je.

"Gut siehst du aus!", sagte er und schaute mich verliebt an, mit diesem Funkeln in seinen Augen.

Ich sagte garnichts. Damit das Gespräch so nicht endete, sagte er dann:"Das ist übrigens Karolin!"

Ich lächelte nur.

"Kannst du eigentlich auch sprechen?", fragte er dann und grinste, weil er genau wusste, dass das der Spruch war, der damals das Eis brach.

Auch ich konnte mir ein Grinsen nicht verkneifen. "Ja, kann ich!"

"Wollen wir uns vielleicht mal auf einen Kaffee treffen?"

"Ist das dein Ernst?"

"Klar. Das ist jetzt knapp 2 Jahre her. Da kann man sich doch mal wieder treffen, meinst du nicht?"

"Ich weiß nicht....", sagte ich skeptisch.

"Komm' schon, Malin, ich beiße nicht, nur manchmal, weißt du doch!"

Wir verabredeten uns für nächsten Tag in einem Café. Ich wusste nicht ob es das Richtige war, was ich tat. Aber man lebt nur einmal, dachte ich.

Natürlich war ich viel zu früh dran und bestellte mir schonmal eine heiße Schokolade mit Sahne und Zimt, genau das Richtige bei der kalten Jahreszeit. Immerhin war es Januar und ziemlich kalt.

Ich war ziemlich dankbar, als die Tür aufging und Lukas ohne Kind kam.

Er schüttelte sich den Schnee vom Kopf und zog seine Jacke aus. Zur Begrüßung gab er mir einen Kuss auf die Wange.

Er setzte sich gegenüber von mir hin und bestellte sich einen Cappuccino und ein Stück Erdbeertorte.

Scheiße, er sah so gut aus und war so lieb und nett. Ich konnte einfach garnicht mehr sauer auf ihn sein. Aber das Entlieben geht einfach noch schlechter, wenn der Täter genau gegenüber sitzt.

"Meinen Brief hast du sicherlich verbrannt, nicht wahr?", sagte er mit einem aufgesetzten Lachen.

"Nein, den habe ich aufgehoben!"

Die Situation war ziemlich angespannt.

"Malin, hör' zu... es ist mir damals wirklich nicht leicht gefallen, diese Entscheidung zu treffen, das musst du mir glauben!"

"Schon ziemlich scheiße erst noch mit mir zu schlafen und mir dann diesen Abschiedsbrief in die Hand zu drücken!"

Er schaute beschämend zu Boden.

"In dem Brief stand nur die Wahrheit!"

"Das kann dich dir nicht glauben!"

"Doch", sagte er überzeugend,"alles, was ich sagte, meinte ich auch so!"

"Lass uns nicht darüber sprechen, du hattest dich damals gegen mich entschieden und das habe ich akzeptiert.", ich lügte. Ich habe es bis heute nicht akzeptieren können und ich werde es wohl auch nie akzeptieren.

Immerhin bin ich nach 2 Jahren immer noch nicht über ihn hinweg gekommen.

Wir sprachen nicht viel. Er aß seine Torte und ich starrte oft einfach nur aus dem Fenster.

Beim Verabschieden strich er über meine Wange und sagte leise:"Du bist immer noch die Eine!" Dann ließ er mich im Schnee stehen.

Nun war ich völlig verwirrt.

In Gedanken ging ich eine endlos lange Straße entlang, der Schnee peitschte mir ins Gesicht. Plötzlich merkte ich nur einen heftigen Stoß.

"Oh, Entschuldige bitte!", sagte eine freundliche Männerstimme. Er hatte mich angerempelt.

Ich versuchte durch den kalten Schnee in meinen Augen zu erkennen mit wem ich es zu tun hatte.

"Der Schnee weißt du, es ist so schwer zu erkennen, ob jemand von vorne kommt oder nicht!", sagte der Unbekannte.

Ich lächelte ihn an und ging weiter.

Ich drehte mich nochmal um und auch der Unbekannte drehte sich um, unsere Blicke trafen sich. Er ging rückwärts und rief mir zu:"Ich bin Pascal!"

Auch ich begann rückwärts zu gehen:"Malin!" rief ich zurück.

Ein paar Tage später waren Nadja und ich shoppen. Wir brauchten unbedingt neue Klamotten, da wir unsere Kleiderschränke aussortiert hatten.

Durch den ganzen Liebeskummer hatte ich 5kg abgenommen und das musste durch neue Kleidung belohnt werden.

"Na, da hatte der ganze Stress um Lukas ja doch etwas Gutes!", sagte Nadja und durchstöberte einen Wühltisch.

"Naddl, der Name ist aber jetzt tabu! Lukas gibt es nicht mehr!"

Sie zeigte mir den Daumen und verschwand in einer Umkleidekabine.

Ich wartete solange auf sie und kramte ein wenig rum.

"Hey, wir kennen uns doch!", hörte ich plötzlich eine Stimme.

Ich drehte mich um und sah den Unbekannten. Er hatte ein breites Grinsen auf den Lippen.

"Pascal!", sagte er.

"Ja, ich weiß, ich erinnere mich. Hallo!", ich musste auch grinsen.

"So ein Zufall", sagte er, "Das muss Schicksal sein!"

"Scheint wohl so!"

Wir unterhielten uns noch kurz und tauschten dann unsere Handynummern aus.

Er schien ein sehr netter, junger Mann zu sein und er sah auch wirklich gut aus.

Noch am selben Tag bekam ich eine SMS: Hallo Malin. Es war wirklich nett dich wiederzusehen. Darf ich dich vielleicht zum Essen einladen? Als Wiedergutmachung für's Anrempeln!

Ich freute mich tierisch, das erste Mal tanzte ich wieder in meinem Zimmer rum. Ich habe mich nicht mehr so sehr gefreut, seit ... ja, seit ich Lukas das erste Mal begegnete.

Natürlich nahm ich die Einladung an.

Ablenkung würde sicherlich nicht schaden und die beste Möglichkeit sich zu entlieben ist einfach sich in jemand anderen zu verlieben.

Um 19:30 Uhr holte Pascal mich ab. Er fuhr einen alten Golf, aber das war nicht wichtig. Er entschuldigte sich für sein Auto, doch das spielte für mich garkeine Rolle.

Er führte mich in ein schickes Restaurant, es war ziemlich dunkel dort, der Raum war durch dutzend Kerzen erleuchtet.

Es war perfekt. Das perfekte Date.

Er bestellte uns 2 Gläser Sekt, eine nette Bedienung brachte es uns und er erhob sein Glas:"Auf einen schönen Abend!" Wir stießen an und tranken einen kleinen Schluck.

"Ich muss gestehen",fing er an,"seit ich dich das erste Mal sah, gehst du mir nicht mehr aus dem Kopf!"

Ich lächelte vorsichtig.

"Und du siehst heute wirklich bezaubernd aus!", sagte er dann.

"Vielen Dank, Pascal."

Nachdem wir mit dem Essen fertig waren, fuhr er mich wieder nach Hause. Ich schnallte mich ab und wollte gerade aussteigen, da zog er mich zu sich ran und schaute mich an.

Er küsste mich.

In diesem Moment war alles vergessen. Nicht alles, aber Lukas!

Ich genoss diese Situation voll und ganz. Er küsste anders als Lukas, nicht schlechter, aber anders.

Er war sehr zärtlich, nicht so wild.

Als wir aufhörten uns zu küssen flüsterte Pascal:"Wow!"

Ich stieg aus, ging die Treppe hoch zu meinem Zimmer und schmiss mich auf mein Bett.

Mein Handy hatte ich zu Hause gelassen, damit uns auch keiner unterbrechen konnte.

Plötzlich vibrierte es, ich dachte, es sei Pascal, der es keine Minute ohne mich aushalten konnte, doch leider war dies nicht der Fall.

Zwar erhielt ich eine SMS, aber von dem falschen Mann.

"Ich fand' das Kaffee trinken, trotz angespannter Stimmung, sehr nett. Wiederholen?!", schrieb Lukas.

Wie aus Reflex löschte ich die SMS sofort. Wer ist schon Lukas? Ich wollte Pascal eine Chance geben.

Auch die darauffolgenden Tage traf ich mich mit Pascal, es war toll.

Ich wusste, er würde mich nicht so verarschen, wie Lukas. Das spürte ich.

Er tat alles für mich, er überhäufte mich mit seiner niemals endenden Liebe. Doch anstatt alles zu genießen, machte ich mir Gedanken.

Ist es das, was ich wollte? Ist er der, den ich wollte? Könnte er mir das geben, was ich brauchte?

Eines Abends lagen Pascal und ich auf meinem Bett. Die Köpfe aneinander. Händchenhaltend.

"Wie ist eigentlich die momentane Situation?", fragte er dann.

"Was meinst du?"

"Naja, sind wir ein Paar oder wie siehst du das alles?"

Ich schaute ihn an, gab ihm einen Kuss und sagte:"Ja, Pascal, wir sind ein Paar!"

Er strahlte.

"Ich liebe dich!", sagte er und gab mir einen Kuss auf die Stirn.

Schon wieder kamen mir Lukas' 3 Worte in den Kopf. Weg da! Geht doch einfach weg!

"Ich liebe dich auch!", sagte ich, doch ob ich das auch so meinte, war eine andere Frage.

Wenn ich Pascal wirklich lieben würde, warum schwirrt mir dann ständig Lukas im Kopf rum? Immer noch. Das kann doch garnicht sein.

Pascal übernachtete bei  mir und wir hatten einen wirklich schönen Abend. Es war alles wie im Traum.

Er behandelte mich genauso, wie ein Mädchen behandelt werden möchte.

Doch dass Mädchen eigentlich auf Machos stehen, ist kein Geheimnis. Auf Arschlöcher, auf sogenannte Bad Boys.

Auch ich war insgeheim eine von denen, aber zulassen wollte ich es im Moment auf garkeinen Fall.

Ich war zufrieden mit meinem Softie.

Die Tage gingen ins Land und mittlerweile waren Pascal und ich schon 1 Jahr zusammen. Es war unser Jahrestag, Lukas fast vergessen, wir gingen in ein schickes Restaurant.

"1 Jahr schon mein Schatz!", sagte er. "Ja", meinte ich dann,"kaum zu glauben!"

"Weißt du noch wo wir uns kennenlernten....?",fing er an. Oh man, diese Geschichte erzählt er so oft, ich kann sie langsam nicht mehr hören. Aber ihm zuliebe hörte ich es mir an dem Tag nochmal an.

Er erzählte sie also und ich schweifte mit meinen Gedanken total ab.

Wenn man erstmal eine längere Zeit zusammen ist, dann merkt man erst die Eigenarten der anderen Person.

Aus Verliebtsein wird Liebe, die Schmetterlinge verschwinden und der Sex wird weniger. So zumindest hat es Nadja mir erklärt, die seit 5 Jahren mit Tobias, ihrem Freund, zusammen ist. Sie hatte mich gewarnt. Und sie behielt Recht.

Ich fragte mich schon seit längerem, ob es das ist, was ich wollte? Doch ich blieb stark und hegte weiterhin die Hoffnung, dass dies nur eine Phase ist.

"Malin?", holte Pascal mich aus meinen Gedanken, "hörst du mir überhaupt zu?" Ich nickte und nippte an meinem Cocktailglas.

Bald stand der Umzug an. Pascal und ich beschlossen gemeinsam nach Berlin zu ziehen. Ich fand dort schnell einen Studienplatz und er als Anwalt hatte es auch nicht schwer einen Arbeitsplatz zu finden.

Weg aus Hamburg, weg von meiner Familie und Freunden. Ich gab vieles auf, in der Hoffnung dort mit Pascal einen Neustart zu schaffen.

Mama, Papa und Ina (meine kleine Schwester) packten mit mir meine Kartons in den Sprinter, den wir gemietet hatten.

Pascal wartete bei sich zu Hause.

Als der letzte Koffer und der allerletzte Karton verstaut waren, wischte ich mir den Schweiß von der Stirn. Ich war im Begriff mich von meinen Eltern zu verabschieden, da raste ein Auto die Straße entlang, wendete rasch und blieb abrupt stehen.

Lukas stieg aus.

"Tu' es nicht!", sagte er und rannte auf mich zu.

1 Jahr lang hatte er sich nicht gemeldet und jetzt wo er erfuhr, dass ich weggehe, kommt er an?

"Wir warten dann drinnen, ja?", sagte mein Vater.

Ich nickte.

Dann schaute ich Lukas verzweifelt an:"Was willst du?"

Er nahm meine Hände:"Du wirst dort nicht glücklich werden!"

Ich begann leise zu weinen:"Warum machst du das? was willst du?"

"Bitte, Malin ... ich liebe dich! Ich habe dich immer geliebt!"

Tränen rollten runter.

"Lukas... ich ... bitte, lass das!", ich riss meine Hände zurück und ging in Richtung Haustür.

Er blieb stehen.

Ich ging rein und verabschiedete mich von meiner Familie.

Als ich wieder rausging, lehnte Lukas gegen sein Auto. Als er mich sah, stellte er sich kerzengerade hin.

"Du bist ja immer noch da!", merkte ich an.

Er ging auf mich zu und gab mir einen festen Kuss, ich zog zurück.

"Es ist zu spät...!", sagte ich und machte die Tür des Sprinters auf.

Er versuchte mich noch einmal zurückzuziehen, doch ich wehrte mich und stieg ins Auto. Ich machte den Motor an und fuhr los. Ich blickte nicht zurück, das hätte ich nicht ertragen können.

Die ganze Fahrt zu Pascal konnte ich meine Emotionen nicht zurückhalten und weinte. Ich weinte einfach. Ich ließ alles raus.

Ich parkte vor Pascal's Haustür und drehte langsam den Schlüssel um und zog die Handbremse an.

Einige Zeit blieb ich noch im Auto sitzen, um dann aufgesetzt freudig in mein neues Leben zu starten.

Pascal war so aufgeregt, dass er die ganze Autofahrt nach Berlin nur redete. Ich schwieg. Ich musste das Geschehene erstmal verdauen.

"Du bist so leise!", sagte er dann. Ich schaute ihn an und legte meine Hand auf sein Knie:"Ich verarbeite Aufregung anders!".

In Berlin angekommen, fingen wir an unsere Kartons auszupacken, die Möbel aufzustellen und Bilder aufzuhängen.

Doch ein Bild kramte ich erst aus dem Karton, als Pascal duschte.

Es war ein kleines, schon halbwegs zerknittertes Bild von Lukas und mir. Ich faltete es zweimal und steckte es dann in meinen Geldbeutel.

Ich hatte es nie weggeschmissen, ich war nie in der Lage dieses einzige Andenken an glückliche Zeiten zu vernichten.

Am Abend traf sich Pascal mit Anwaltskollegen zu einem Essen. Ich war also ganz alleine in der Wohnung und meine Gedanken machten mich mal wieder verrückt.

Ich stellte mich an das Schlafzimmerfenster, aus dem man einen wunderbaren Ausblick hatte. Der Himmel war klar und man konnte viele Sterne sehen.

Plötzlich wurde mir erst bewusst, was Lukas zu mir sagte.

Er sagte, er liebte mich ... er hätte mich immer geliebt.

Das ändert aber nichts daran, dass er eine Frau hat und eine Tochter.

Ich hatte den perfekten Mann gefunden, wieso machte ich mir immer noch Gedanken über diesen Typen?

Dann begann ich zu spinnen. Wenn ich nie in dem Restaurant angefangen hätte zu arbeiten, dann hätte ich Lukas nie kennengelernt.

Wenn Manfred, der Koch, später geboren wäre, denn hätte er nicht in Rente gehen müssen und ich hätte Lukas nie kennengelernt.

Hätte, hätte, hätte!

Aber so war es nunmal nicht. Ich habe Lukas kennengelernt. Und er lebt in meiner Gedankenwelt. Und ich glaube er hat auch nicht vor, dort auszuziehen.

Nach ein paar Wochen in Berlin rückte der 18. Geburtstag meiner kleinen Schwester immer näher. Durch die viele Arbeit konnte Pascal nicht mitkommen, also fuhr ich alleine nach Hamburg.

Ich wurde freudig empfangen, als ich zur Tür reinkam.

Nachdem ich Ina mein Geschenk überreichte, bemerkte ich wie Lukas in der Wohnzimmertür stand. "Was will er denn hier?", fragte ich nervös.

Meine Mutter lächelte:"Er war bis jetzt fast jeden Tag da um zu gucken, ob du wieder hier bist!" Ich schaute sie mit großen Augen an. "Ist das nicht süß?"flüsterte sie dann. Ich grinste gequält.

"Hallo Malin!", sagte er dann und trat einen Schritt näher.

"Hallo Lukas!"

"Wie geht's dir? Was macht das Leben in Berlin?"

Ich zog mir meine Schuhe aus.

"Alles in Ordnung!", sagte ich dabei.

Er nickte und stand mit verschränkten Armen vor mir. Durch sein T-Shirt zeichneten sich seine Muskeln ab. Er sah heiß aus. Doch ich musste mich zusammenreißen, ich war in einer glücklichen Beziehung.

Er machte sich so breit, dass ich ihn berühren musste, um an ihm vorbeizukommen. Ich gebe zu, das fühlte sich gut an.

Ich wollte das ganze Wochenende bleiben, doch bei Lukas' Anblick war ich stark am überlegen, ob ich das wirklich tun sollte.

Das Abendessen war merkwürdig, keiner sagte wirklich was und meine Familie grinste uns immer so komisch an. Ich fühlte mich unwohl.

Nach dem Essen wollte Lukas dann gehen. Ich begleitete ihn zur Tür. "Morgen um 18:00. Essen.", sagte er fordernd.

"Ähm, nein!?", antwortete ich.

"Doch, ich hole dich ab!"

Dann zog er die Tür hinter sich zu.

Ich war verdutzt, wie redete er denn mit mir? Aber genau das meinte ich vorhin. Im Inneren stehen Frauen auf Machos. Auf Arschlöcher - wie Lukas!

Ich  hatte Pascal zuliebe das Rauchen aufgegeben. Ich weiß nicht ob es die alte Gewohnheit war, weil ich wieder zu Hause war oder meine Aufregung wegen Lukas, auf jeden Fall zündete ich mir um genau 17:53uhr des nächsten Tages eine Zigarette an und es tat gut.

In 7 Minuten würde es 18:00 Uhr sein. Da wollte er mich abholen.

Um 17:55Uhr klingelte es an der Tür. Ich zog noch zweimal schnell an meiner Zigarette, drückte sie hastig aus und rannte die Treppe runter.

Ich öffnete langsam die Tür und da stand er. Im Anzug. Rosen in der Hand. Lukas.

Ich musste lächeln, nein, ich musste strahlen.

Er auch.

"Die sind für dich!", sagte er fast schüchtern. Ich nahm ihm die Rosen ab und brachte sie schnell ins Haus.

"Wollen wir?", fragte ich dann.

Er nickte und wir gingen zum Auto. Zu meinem Unglück fuhren wir in genau das Restaurant, in dem Pascal und ich unser erstes Date hatten. Das machte die ganze Sache noch komplizierter.

Was tat ich hier? Zu Hause wartete ein perfekter Mensch auf mich. Der mich bedingungslos liebte. Ein Mensch ohne Frau und ohne Kind.

Als Lukas und ich uns setzten, war sein erster Satz:"Ich habe mich von Jenny getrennt!"

Mir blieb das Getränk im Hals stecken. Ich verschluckte mich.

"Hey, alles in Ordnung?", fragte er liebevoll.

"Wieso hast du das getan?"

"Ich habe dir den Grund doch schon 100 mal gesagt, Malin!"

Ich schaute ihn lange an.

"Ich weiß nicht, was ich hier eigentlich tue...", sagte ich dann bedrückt.

Er nahm meine Hand:"Du tust das, was dein Herz will!"

Es ist einfach fast unmöglich diesem Mann zu wiederstehen. Er hat all' das, was ich will.

Er ist sexy, nett, hat wunderschöne Augen und er ist ein wenig Macho.

Trotzdem schwirrte im Hinterkopf immer Pascal herrum.

"Ich bin vergeben - glücklich!"

"Sicher?"

"Was?"

"Dass du glücklich bist?"

Ich seufzte.

"Malin, wir beide gehören zusammen. Das wusste ich vom ersten Moment an."

"Lukas..."

"Du musst wissen, was für dich das Richtige ist!"

Er schaute mir tief in die Augen, diesmal schaute ich ihm auch so tief in die Augen, dass ich Nadja sicherlich die Adern beschreiben könnte.

Mir wurde in dem Moment einfach sonnenklar, dass ich Lukas immer noch so sehr liebte, so sehr, dass es weh tat.

Eigentlich wusste ich es die ganze Zeit, doch solange man den anderen nicht sieht, ist es leichter die Gefühle zu verdrängen.

Lukas zog seine Hand zurück und nahm einen Bissen von seinem Essen.

Sogar wenn er aß, sah er hübsch aus.

Ich beobachtete ihn die ganze Zeit und vergaß dabei selber das Essen.

"Dein Essen wird kalt!", sagte er grinsend.

"Ich habe eigentlich garkeinen Hunger!"

Trotzdem zwang ich mir 2 - 3 Bissen rein. Nach dem Essen gingen wir noch eine Runde spazieren. Um die Alster. Wir setzten uns auf eine Bank.

Es war ein schöner Sommerabend, es war lauwarm draußen.

Er legte seinen Arm um mich. Ich ließ es zu und legte meinen Kopf auf seine Schulter.

"Was ist das bloß mit uns?", fragte ich ihn dann seufzend.

Ich hob meinen Kopf und schaute ihn an.

"Liebe!", flüsterte er und streichelte über meinen Rücken. Ich fragte mich die ganze Zeit, ob ich nicht vielleicht einfach wirklich auf mein Herz hören sollte und ihn einfach küssen sollte.

Es war ein Moment der Stille, man hörte die Vögel im Wasser. Ein leichter Sommerwind wehte einem um die Ohren.

Es war schon halbdunkel draußen. Ein perfekter Moment.

Ich legte meine Hand auf sein Bein. Er drehte seinen Kopf zu mir und kam mir langsam näher. Ich wusste, nun war es mal wieder soweit und ich entschloss meinen Kopf auszuschalten und endlich mein Herz regieren zu lassen.

Langsam und zärtlich berührten sich unsere Lippen. Ich fühlte mich wie damals, 1000 Schmetterlinge flogen durch meine Magengegend.

Ich setzte mich auf seinen Schoß und küsste ihn weiter.

Wir fuhren nach Hause, ohne ein Wort zu reden, er kam mit rein und wir schlossen meine Zimmertür hinter uns. Er begann wieder mich zu Küssen. Langsam öffnete er mein Kleid und zog die Träger runter. Er küsste meinen Hals entlang bis zu meiner Brust. Ich zog ihm seine Anzugjacke aus und knöpfte das Hemd auf.

Nun stand er da. Mit offenem Hemd und einfach wunderschön.

Ich zog mein Kleid ganz aus und legte meine Arme um seinen Hals. Er strich über meinen rechten Arm und küsste mich erneut. Wir brauchten keine Worte, wir wussten genau was wir wollten. Er guckte mich mit seinem geilen Blick an und hob mich hoch, dann trug er mich zum Bett und legte mich langsam hin.

Ich zog seinen Kopf ran und wanderte mit meinen Lippen von seinem Ohr langsam zu seinem Mund.

Ich merkte, dass es ihm gefiel. Ich öffnete seine Hose, er zog sie sich hastig aus und legte sich wieder auf mich. Dann öffnete er meinen BH - mit einer Hand versteht sich.

Ich fühlte mich wie auf Wolke 7. Pascal war vergessen - wenigstens für diese eine Nacht.

"Ich liebe dich!", sagte Lukas in Ekstase und küsste meinen Bauch. Ich stöhnte leicht auf. Antwortete aber nicht auf seine Aussage.

In dieser Nacht machten wir Liebe, wie ich vorher nie Liebe gemacht hatte. Es war der blanke Wahnsinn.

Am nächsten Morgen weckten mich nicht nur die Sonnenstrahlen, sondern auch mein schlechtes Gewissen.

Ich schreckte auf und merkte, dass ich immer noch nackt im Bett lag und neben mir dieses Bild von einem Mann - im Tiefschlaf.

Schnell zog ich mir eine kurze Hose und ein Top über.

Setzte mich an meinen Schreibtisch und starrte auf mein Handy. Sollte ich Pascal eine SMS schreiben und ihm alles erzählen? Sollte ich warten, bis ich zu Hause bin und es ihm dann sagen? Sollte ich es ihm einfach garnicht sagen? Sollte ich ihn anrufen? Oh, ich wusste es nicht.

"Guten Morgen!", sagte Lukas verschlafen. Ich schaute zu ihm rüber, er sah sogar verpennt wunderbar aus.

Ich beschloss mein Handy erstmal beiseite zu legen und mich zu Lukas ins Bett zu gesellen.

Er küsste mich sanft. Ich genoss es.

"Es war wirklich wunderschön gestern!", sagte er dann.

Ich nickte:"Das stimmt!"

Er zog die Decke über uns und stellte unwahrscheinlich erotische Sachen mit mir an, die ich hier lieber nicht aufschreibe.

Den gesamten Sonntag verbrachten wir im Bett. Doch um 17:00 beschloss ich, dass es Zeit wurde nach Hause zu fahren. Die Fahrt würde lange dauern. Und 17:00 ist eh schon viel zu spät, aber ich wollte jede Sekunde mit Lukas genießen.

Ich stand vor meinem Auto mit Lukas. Keiner wusste Recht was er sagen sollte.

"Tja, dann....", versuchte ich anzufangen.

"Malin, ich warte auf dich, egal wie lange du brauchst! Ich werde da sein!"

Ich nahm ihn in den Arm:"Mach's gut!"

Dann fuhr ich erneut los, doch diesmal blickte ich zurück und sah ihn traurig winken. Es brach mir das Herz. Doch ich hatte in Berlin ein neues Leben aufgebaut mit einem neuen Mann.

Ich versuchte so gut es ging gute Miene zum bösen Spiel zu machen. Es schien mir auch zu gelingen. Denn Pascal merkte nichts.

Ein paar Wochen später lud mich Pascal zum Tanzen ein. Mit ein paar Anwaltskollegen seinerseits. Ich hasste diese spießigen Veranstaltungen, aber da muss man durch.

Wir legten eine heiße Sohle auf's Parkett, Pascal gab sich wirklich Mühe. Und eins muss man ihm lassen - Tanzen kann er!

Doch als das Lied endete, kniete er sich plötzlich vor mich hin und griff in seine Tasche. Das kann ja wohl nicht wahr sein! Bitte nicht! Lass es ein Traum sein!

Er schaute zu mir hoch und begann seine Rede:"Malin, du bist seit dem ersten Tag, an dem ich dich sah, meine absolute Traumfrau. Ich habe niemals jemanden so sehr geliebt wie dich. Du bist alles für mich. Daher frage ich dich: Willst du mich heiraten?", erwartungsvoll schaute er mich an. Ich weiß nicht, ob es mein schlechtes Gewissen war oder die Angst ihn zu verletzen, aber ich sagte JA!

Was hat mich da bloß geritten?

Pascal umarmte mich stürmisch und rief seinen Kollegen zu:"Sie hat ja gesagt!", er küsste mich. "Ich freu mich so!", sagte er überglücklich.

"Ja... ich mich auch!", sagte ich nur halbwegs glücklich, wenn überhaupt.

Eine Woche später kam ich aus dem Bett in die Küche. Pascal saß dort schon mit einer Zeitung in der Hand und einem O-Saft auf dem Tisch. Ich setzte mich zu ihm und zündete mir eine Zigarette an. "Ich finde es übrigens garnicht schön, dass du wieder mit dem Rauchen angefangen hast! Wie ist das überhaupt passiert?" Er legte die Zeitung beiseite und nahm einen großen Schluck von seinem O-Saft.

"Naja, ähm....", fing ich an und all' die Erinnerungen von dem Abend mit Lukas schossen mir wieder durch den Kopf,"es war ja der Geburtstag meiner Schwester und bei den ganzen Verwandten, die ständig so viele Fragen stellen... das war anstrengend, da brauchte ich einfach eine Zigarette, weißt du?"

"Nach einer Zigarette gleich wieder so abhängig werden", er schüttelte den Kopf,"Teufelszeug!"

Was er nicht wusste, war, dass es nicht nur eine Kippe war, nein. Es waren viele. Nach jedem mal hemmungslosen Sex, was oft war, rauchte ich eine Zigarette nach der nächsten.

"Ach übrigens, Schatz. Ich habe die Einladungen verschickt!"

"Schön!", sagte ich und schnitt mir ein Brötchen auf.

"Ja, ich habe einfach mal allen Leuten aus deinem Adressbuch eine gesendet, ist doch ok?"

Aus meinem Adressbuch? Scheiße! Natürlich stand da auch Lukas drin. Verdammte Axt!

"Ist das ok für dich?", fragte er nochmal.

"Ja...ja, klar!"

"Ich muss los, Baby, die Arbeit ruft. Warte nicht auf mich, könnte spät werden!", er gab mir einen Kuss und verschwand.

Ich überlegte, ob ich Lukas anrufen sollte und ihn vorwarnen.

Doch ich entschied mich dagegen. Zwei Tage später sollte sich das Problem von ganz alleine lösen.

Abends kam Pascal von der Arbeit, aber nicht alleine. "Schatz, ich bin da!"

Ich kam aus dem Wohnzimmer und wollte ihn begrüßen, als ich das Unglück sah.

"Ich habe jemanden mitgebracht, er stand vor unserer Tür. Er wollte zur Hochzeit kommen und hat keinen Schlafplatz. Ich habe ihn vorhin aufgegabelt und ihm gesagt, dass Freunde von meinem Schatz immer willkommen sind. Er kann ja das Gästezimmer bekommen, oder?"

Ich nickte.

"Hallo Malin!", sagte der Jemand.

"Lukas...", ich drehte mich um und ging zurück ins Wohnzimmer.

"Willst du ein Bier, Lukas?", fragte Pascal freundlich und bat Lukas schonmal ins Wohnzimmer zu gehen. Er setzte sich neben mich auf das Sofa und lächelte mich schüchtern an.

Pascal kam rein und reichte Lukas ein Bier rüber. Dann wollte er ihm einen Flaschenöffner geben, doch Lukas hatte sein Bier schon mit den Zähnen aufgemacht.

"Ja, dann erzählt doch mal, wie habt ihr euch denn kennengelernt?", fragte Pascal interessiert.

Lukas und ich schauten uns an. "Wir haben mal zusammen gearbeitet.", sagte Lukas dann und trank sein Bier fast auf Ex aus.

"Ach, in dem Restaurant, wo du mal nebenbei gejobbt hast?", fragte Pascal mich dann. Ich nickte.

"Na, das finde ich aber fein, dass schon der erste Hochzeitsgast hier ist. In 1 Woche geht's schon los. Kannst du dir das vorstellen, Schatz?"

Ich war ziemlich ernst, es fiel mir schwer Freude zu heucheln.

Nachdem Pascal sein Bier ausgetrunken hatte, teilte er uns mit, dass er nun ins Bett gehen würde. "Du zeigst deinem Freund dann nachher das Gästezimmer, nicht?"

"Ja, mache ich, schlaf schön!", sagte ich. Er gab mir einen Kuss und schlürfte ins Schlafzimmer.

Nun saßen wir da. Lukas und ich.

"Eine Hochzeit?", fragte Lukas nach minutenlangem Schweigen dann und schaute auf den Boden. Er schüttelte den Kopf.

Ich wusste nicht was ich sagen sollte.

"Ich dachte das mit uns beiden war etwas Besonderes!", sagte er erschüttert.

"War es auch... ist es auch ... ich weiß es doch auch nicht!"

"Du musst es wissen, du hast JA zu seinem Antrag gesagt!"

Wir redeten leise, damit Pascal uns nicht hören konnte.

"Du bist enttäuscht, oder?", fragte ich ihn.

Er schaute mich an:"Naja, gelungende Retourkutsche. Jetzt weiß ich wenigstens, wie du dich damals gefühlt hast, als ich mich gegen dich entschieden hatte. Ätzendes Gefühl!"

"Das sollte keine Retourkutsche sein, ganz und garnicht!"

"Sieht aber anders aus. Kann ich noch ein Bier haben?"

Ich stand auf und ging in die Küche, holte ein Bier aus dem Kühlschrank und stützte mich an der Arbeitsplatte ab. Ich musste 2mal tief Luft holen um zurückzugehen.

Als ich wieder auf ihn zuging, zog er mich zu sich runter:"Aber als du abgereist bist, habe ich dir gesagt, dass ich immer da sein werde .. also auch bei deiner Hochzeit. Obwohl du einen Riesenfehler machst!" Ich gab ihm sein Bier.

Wieder trank er es fast auf Ex aus. "Übertreib' es nicht!", sagte ich etwas arrogant.

Er würdigte mich keines Blickes.

"Ich gehe nun ins Bett. Das Gästezimmer ist hinten links, Bett ist frisch bezogen, kannst dich also beruhigt darein legen!"

Er sagte nichts.

Am nächsten Morgen war ich schon früh wach, da ich in die Uni musste zu einer Vorlesung. Pascal war schon weg.

Ich schlich mich leise ins Badezimmer um Lukas nicht zu wecken, völlig übermüdet putzte ich mir die Zähne, als Lukas plötzlich in der Tür stand. In Boxershorts und Oben Ohne.

"Kannst du dir nicht bitte etwas anziehen?"

"Wieso? Kannst du dem Anblick nicht wiederstehen?" Obwohl er Recht hatte empfand ich seine Aussage als unangebracht.

Er zog sich natürlich nichts über und breitete seine Bad-Utensilien so aus, dass er mich jedesmal berühren musste, wenn er etwas abstellte.

Dann flüsterte er mir ins Ohr:"Soll ich dich in die Uni fahren?"

"Danke, ich nehme den Bus!"

"Oh, Madame spielt die Unnahbare! Das ist ja mal was ganz Neues!", sagte er überheblich.

Ich nahm tatsächlich den Bus.

Doch nach der Vorlesung wartete Lukas vor der Uni in seinem Wagen.

"Darf ich Sie mitnehmen?", fragte er und zog die Augenbrauen hoch.

Ich musste automatisch grinsen und stieg ein.

"Ich dachte du zeigst mir mal Berlin!"

Wir fuhren also ein wenig durch die Stadt, stiegen irgendwann aus und besichtigten zu Fuß viele Sehenswürdigkeiten.

Es war ein toller Nachmittag.

"Malin... denkst du nicht, dass du einen Fehler machst? Noch kannst du alles absagen!"

Ich guckte ihn an.

"Ich weiß es nicht!"

"Wir gehören zusammen, das weißt du genauso gut wie ich!"

Er hatte wahrscheinlich Recht, doch ich hatte mich nun in etwas hinein manövriert, wo ich so schnell nicht wieder rauskam.

"Lukas, du hättest dir das alles mal viel früher überlegen sollen!"

Als die Stimmung ganz im Keller war, fuhren wir wieder zu meiner Wohnung.

Einen Tag vor der Hochzeit war Junggesellenabend angesagt. Lukas ging mit Pascal und seinen Jungs mit.

Ich hatte mir Nadja geholt und wir gingen mit ein paar Freundinnen in eine Bar. Als Nadja und ich für einen Moment alleine waren, sprach sie mich auf die momentane Situation an.

Ich erklärte ihr was in der Zwischenzeit alles passiert war und sie traute ihren Ohren kaum.

"Malin, Süße.... du liebst diesen Mann doch, oder nicht?"

"Welchen jetzt?"

"Oh, diese Frage sagt doch alles!"

"Was meinst du?"

"Du bist tierisch verliebt in diesen Lukas!"

Ich schluckte einen Kurzen runter.

"Süße, du musst aus diesem Schlamassel rauskommen, das geht nicht anders. Ich kann nicht zusehen, wie du in dein Unglück rennst!"

"Und was schlägst du vor?"

"Pass auf, wir fahren zu dem Hotel, wo die Männer sich grad' aufhalten und dann werde ich die Party mal unterbrechen und ein Wörtchen mit Lukas wechseln!"

Ich war skeptisch:"Ich weiß nicht!"

Wir sagten den anderen Mädels, dass wir bald wiederkommen würden und schon machten wir uns auf den Weg zu dem Hotel.

Pascal hatte dort ein Zimmer gemietet für eine Nacht.

Schon auf dem Stockwerk hörte man die laute Musik.

"Du wartest hier!", sagte Nadja und hämmerte lautstark an der Tür. Ich stand hinter ihr und als die Tür aufging sah mal schon Pascal und Lukas auf 2 Stühlen, umringt von 2 Stripperinnen, die ihr Bestes gaben um die Männer heiß zu machen. Pascal war ganz brav, doch der interessierte mich in dem Moment herzlich wenig, mein Blick gehörte nur Lukas, der wie ein Besessener an den Brüsten der blonden Stripperin nuckelte. Auf ihren Arsch klatschte und ihr die Zunge in den Hals steckte. Im Hintergrund grölende Männer, die ihn anfeuerten.

Nadja legte ihre Hand auf meine Schulter. "Der ist es?", fragte sie dann völlig empört.

"Der WAR es!", sagte ich ruhig, aber doch wütend. Als Lukas mich sah, schubste er die nackte Frau von sich weg. Ich schüttelte nur den Kopf und rannte weg. Pascal wollte mir hinterherlaufen, doch Nadja hielt ihn auf. Pascal dachte, ich sei wegen ihm böse.

Lukas versuchte mir nachzugehen. "Ja, rede du mal mit ihr!", rief Pascal ihm noch hinterher.

"Malin, bleib stehen!", schrie Lukas , seine Alkoholfahne würde einen trockenen Alkoholiker wieder süchtig machen.

Ich blieb nicht stehen.

"Malin, bitte!!", er lief mir nach, erreichte mich dann auch.

"Lass mich in Ruhe, du Scheißkerl!"

"Du hast garkeinen Grund sauer zu sein. Ich bin single, du heiratest morgen, was ist dein Problem?"

Ich merkte nicht, wie auch Nadja und Pascal draußen standen und uns zuhörten.

"Mein Problem, du willst wissen was mein Problem ist?"

"Ja, sag' es! Sprich mit mir!", er schüttelte mich leicht.

Ich zögerte, dann winkte ich ab und drehte mich um.

Lukas wurde laut:"Verdammte Scheiße, Malin! Was willst du? Was, zum Teufel, willst du?"

Ich ging einen Schritt auf ihn zu:" Dich, ich will dich! Ich liebe dich und du vergnügst dich dadrin mit irgendeiner dahergelaufenen Hure!"

Dann sah ich auch Pascal dort stehen, dem die Kinnlade runtergefallen war.

"Es tut mir leid, aber es muss raus. Ich kann es nicht weiter verheimlichen! Pascal, das ist Lukas. Meine einzig wahre, große Liebe!"

"W...w...was?" Pascal war am Boden zerstört.

Ich ging auf ihn zu und strich ihm über die Wange, dann zog ich meinen Verlobungsring ab und steckte ihn ihm in die Hosentasche. Dann nahm ich Nadja an die Hand und ging mit ihr zurück an die Bar.

"Aber was ist denn nun mit Lukas?", fragte sie.

"Tja, was soll sein? Wenn er mich liebe würde, dann hätte er nicht mit dieser Nutte rumgemacht!"

"Süße, das war eine Stripperin!"

"Mir doch egal", sagte ich gleichgültig,"dann ist es ja noch schlimmer, weil er die für's Vögeln nicht bezahlen muss!"

In der Bar angekommen, beschloss ich, mich tierisch zu besaufen und dann nächsten Tag mit Nadja nach Hamburg zu fahren.

Kein Pascal, kein Lukas, einfach nur ich.

Single sein und dies genießen.

Nachdem ich meine Sachen ein paar Wochen später aus Berlin geholt hatte und mich wieder bei Mama und Papa eingenistet hatte, entschied ich mich Lukas anzurufen, nachdem ich wochenlang nicht auf seine Anrufe, SMS und E-Mails reagierte.

Ich berichtete ihm von meinem Vorhaben Single zu sein und zu bleiben. Begeistert war er nicht, versprach mir aber dennoch, da zu sein, wenn ich ihn brauchte.

Doch als wir uns 1 Woche später in einer Disco trafen, war alles beim Alten.

Er trug ein weißes Muskelshirt, war braun gebrannt und hatte die Haare kürzer. Er sah fantastisch aus.

Und er roch mal wieder atemberaubend.

"Scheiß auf's Single sein. Langsam machst du mich wütend. Du willst seit Jahren nur mit diesem einen Mann zusammen sein, jetzt steht er vor dir, bereit eine Beziehung einzugehen und du lehnst ihn ab? Was soll das bloß?", sagte Nadja böse und schubste mich in Richtung Lukas.

"Guten Abend, schöner Mann!", begrüßte ich ihn.

Er schaute mich von oben bis unten an, musterte mich förmlich.

Ich legte meine Hand auf seine Brust und küsste ihn. Da waren sie - mal wieder - die Schmetterlinge! Ich wusste, dass er es war, den ich die ganze Zeit wollte.

 

 

Ja und nun sitze ich hier, bin glücklich vergeben an Lukas, der übrigens grad' im Bett liegt und schläft.

Ich bereue nichts, nichts von all dem was ich getan habe, denn nur durch diese Fehler ist mir erst Recht bewusst geworden, wie sehr ich ihn liebe.

Manchmal muss man einfach zu seinem Glück gezwungen werden!

 

 

 

 

 

 

 

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